„Zerrissenes Leben“ – Inge Deutschkron im Deutschen Bundestag (30.1.2013)


80 Jahre nach dem Machtantritt Adolf Hitlers hat Deutschland an die Schreckensherrschaft der Nazis erinnert. Die Überlebende deutsch-israelische Autorin Inge Deutschkron hielt eine bewegende Rede im Bundestag. „Ach, wäre das doch die Wahrheit gewesen“, dass die Mehrheit der Deutschen gegen die Verbrechen an den Juden gewesen sei. Hier finden Sie die Rede zum Nachhören. Inge Deutschkron in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages am 30. Januar 2013

Zum 80. Jahrestag der nationalsozialistischen Machtübernahme haben Politiker und Holocaust-Überlebende die Verantwortung der Deutschen hervorgehoben. In einer bewegenden Gedenkstunde im Bundestag erinnerte die deutsch-israelische Schriftstellerin Inge Deutschkron an die Begeisterung in Berlin nach der Übertragung der Macht an die NSDAP am 30. Januar 1933. „Dicht an dicht, so standen sie am Straßenrand…Die Massen rissen ihre Arme hoch, dem Himmel entgegen und schrien ihre Begeisterung hinaus. Die marschierenden Kolonnen sangen ihre Lieder dazu.“ Von da an habe sie als Jüdin einer Minderheit in Deutschland angehört, sagte die heute 90-Jährige. Sie habe zunächst gar nicht gewusst, „was eine Jüdin ist“, denn in der Familie sei dies kein Thema gewesen. Deutschkron berichtete dann vor dem Parlament von der Angst der Berliner Juden und den Deportationen in Vernichtungslager. „Irgendwann waren sie alle weg, meine Familie, meine Freunde. Wo waren sie jetzt, was tat man ihnen an? Ich begann mich schuldig zu fühlen. Dieses Gefühl von Schuld verfolgte mich, es ließ mich nie wieder los.“ Die jetzt 90-Jährige hatte sich mit ihrer Mutter zwei Jahre und vier Monate in Berlin versteckt und war dem Holocaust entgangen. Der Vater konnte nach England auswandern.